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VORGESTELLT: GOLDMARIE FINANZEN

Vor Kurzem haben wir in unserem Rundbrief ein Interview mit unseren Mieterinnen Dr. Jennifer Rasch und Dr. Caroline Löbhard von „Goldmarie Finanzen“ veröffentlicht. Falls jemand es verpasst hat, teilen wir auf unserer Webseite das bearbeitete und verlängerte Interview nochmal!

Was ist „Goldmarie Finanzen“?

Wir bieten nachhaltige Geldanlagen an, die sich für alle Arten von Vorkenntnissen in Bezug auf Finanzen eignen. Alle Unternehmen, in die wir investieren, müssen sehr strenge Kriterien erfüllen. Wir haben eine Klimaschutzstrategie, Goldmarie Essential, und eine Strategie mit Fokus auf eine positive Wirkung, Goldmarie Impact. Der gesamte Anlageprozess ist digital, man hat eine App und genau kann sehen, welche und wie viele Anteile man hat. Sie können sich Ihr Geld auch jederzeit wieder auszahlen lassen. Der Vorteil für unsere Kund*innen ist, dass sie sich mit den finanziellen Details der Investition überhaupt nicht beschäftigen müssen, das übernehmen wir: Von Erstellung des Portfolios bis zum Investieren.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, „Goldmarie Finanzen“ zu gründen?

Sie entstand aus einem akuten Bedarf heraus. Jennifer wollte einfach selbst Geld anlegen und interessierte sich für nachhaltige Anlagen. Sie schaute sich auf dem Markt um, welche Möglichkeiten es gab, und musste leider feststellen, dass die sogenannten grünen Anlagen gar nicht so grün sind. Als zwei Mathematikerinnen begannen wir gemeinsam, Börsendaten zu sammeln und ein kleines Optimierungsmodell zu erstellen, denn Portfolio-Optimierung beruht auf mathematischen Berechnungen, und das ist genau unser Gebiet. Wir waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es hat funktioniert.

Wir erzählten im Bekanntenkreis von unserem Erfolg und erhielten bald mehrere Anfragen, ob wir nicht auch für andere ein Portfolioangebot berechnen könnten. Schließlich beschlossen wir, ein Unternehmen zu gründen und allen Interessierten grüne Geldanlagen anzubieten.

Wodurch unterscheidet sich „Goldmarie Finanzen“ von anderen ähnlichen Anbieter*innen?

Wenn man eine „sorglos“ Geldanlage sucht, dann landet man oft bei einem ETF oder einer Vermögensverwaltung, die ETFs kombiniert. ETFs sind oft nicht sehr nachhaltig, und meiner Meinung nach, braucht niemand eine Vermögensverwaltung, um ETFs zu kombinieren. Im Gegensatz dazu bekommt man bei uns eine Kombination aus 25 bis 30 echten Aktien von nachhaltigen Unternehmen. Damit hat man eine gewisse Streuung über verschiedene Branchen und Länder, die von uns regelmäßig an aktuelle Marktentwicklungen angepasst wird.

Besonders macht uns auch, dass wir Frauen sind, denn Frauen sind in der Finanzwelt eine absolute Ausnahme. Man braucht nur die Website eines Fintech-Unternehmens zu öffnen, und man findet oft kein einziges weibliches Gesicht, nur Männer in Anzügen. Das macht uns zu etwas Besonderem auf dem Markt. Auch als Kundinnen fühlen sich Frauen in der Finanzwelt selten angesprochen. Deshalb versuchen wir, auf Augenhöhe zu kommunizieren und Informationen so zu vermitteln, dass sie tatsächlich verstanden werden können. Unsere Zielgruppe fühlt sich bei solchen Finanzthemen oft unsicher. Aber das muss nicht so sein. Es gibt Statistiken, die besagen, dass Frauen tatsächlich besser investieren als Männer. Aber sie fühlen sich leider oft nicht so.

Kann man sagen, dass Frauen ein Marktpotenzial darstellen, das noch nicht ausgeschöpft wurde?

Hier gibt es definitiv Potenzial. Andere Marktteilnehmer*innen werden sich dessen langsam bewusst und versuchen, ihre Marketingstrategie neu auszurichten. Auf der anderen Seite wissen wir alle, dass der Gender Pay Gap nach wie vor besteht, was bedeutet, dass Frauen weniger Geld haben, was sie für den Markt weniger attraktiv macht. Das ist eine Art Teufelskreis, denn Frauen interessieren sich oft weniger für das Thema Geld, weil sie aufgrund struktureller Barrieren weniger Geld haben.

Umso wichtiger ist es für sie, mit dem Geld, das sie haben, gewissenhaft umzugehen. Und genau da versuchen wir zu helfen. Es ist wichtig, Frauen zu ermutigen, in Branchen zu arbeiten, in denen man mehr verdient, und bei Gehaltsverhandlungen mehr einzufordern. Auch ein finanzieller Ausgleich in einer Partnerschaft, zum Beispiel für Care-Arbeit ist wichtig, damit niemand auf Dauer benachteiligt wird.

Also das Gender-Thema spielt schon eine Rolle bei Euch?

Als wir das Unternehmen gründeten, hatten wir kein feministisches Konzept. Wir waren zufällig zwei Frauen, die das nötige Fachwissen und die Ideen hatten. Wir kamen beide aus einem akademischen Bereich, der von Männern dominiert wird. Aber in der Finanzbranche ist es noch viel krasser. Da gibt es wirklich kaum weibliche Vorbilder. Erst wenn man sich in den Bereich der nachhaltigen Finanzen begibt, tauchen plötzlich Frauen auf. Was wiederum zeigt, dass Frauen tendenziell innovativer und nachhaltiger gründen als Männer.

Das Gleiche gilt für die Gründer*innenszene. Gründungsteams, in denen mindestens eine Frau vertreten ist, sind schon selten genug. Aber ein reines Frauenteam ist wirklich etwas Besonderes. Für uns ist es daher umso wichtiger, dass wir Vorbilder sind und eine Präsenz als Role-Models haben! Es geht hier auch ein darum, zu zeigen, dass auch Frauen wichtige Leistungsträgerinnen sind. Das ist sehr positiv für die gesamte Gründungslandschaft und für die Finanzbranche.

Wie werdet ihr als weibliche Geschäftsleitung in der männerdominierten Branche angenommen?

In der Tech-Branche oder unter Mathematikern hatte ich nicht das Gefühl, dass das Umfeld sexistisch ist. Die Leute arbeiten sehr sachlich, und wenn man sie überzeugen will, muss man sie in der Regel mit seinem Fachwissen überzeugen, unabhängig davon, ob man weiblich oder männlich ist. Zumindest ist das meine persönliche Stichprobe.

In der Finanzbranche habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Ich war auf einer Konferenz, auf der es viele männliche Redner gab. Als ich einen Organisator darauf ansprach, dass man auch kompetente Frauen finden kann, wenn man sie nur sucht, und dass ich zum Beispiel einen Vortrag halten könnte, lachte er mir ins Gesicht. Die Reaktion hat mich tatsächlich etwas schockiert, denn ich habe einen Doktortitel in Mathematik und die Person war weniger qualifiziert als ich. Aber so etwas kommt leider immer noch vor, und in bestimmten Bereichen muss man immer noch darum kämpfen, gesehen zu werden. Diese kämpferische Komponente wird dann einfach Teil deiner Arbeit, egal ob du sie willst oder nicht. Denn es ist wirklich schwer, sich zu wehren, wenn die Kritik auf dem eigenen Geschlecht beruht und nicht auf deiner Kompetenz.

Wie seid Ihr auf die WeiberWirtschaft gekommen und wie gefällt es Euch hier?

Wir sind 2021 mit der WeiberWirtschaft in Kontakt gekommen. In der Anfangsphase unseres Start-ups haben wir am Mentoring-Programm der Gründerinnenzentrale teilgenommen. Seitdem waren wir in regelmäßigem Kontakt, bis wir einen Büroraum hier bekommen haben. Wir haben sehr viel von der WeiberWirtschaft profitiert und es ist sehr schön, eine Art Miteigentümerin zu sein. Das gibt einem ein tolles Gefühl. In unserer Wachstumsphase ist es unglaublich hilfreich, dass man gefördert und unterstützt wird. Dass der ganze Betrieb großen Wert auf Nachhaltigkeit legt, gibt dem Ganzen einen zusätzlichen Pluspunkt. Das passt natürlich auch super zu uns.

Im Gespräch mit den Gründerinnen war Dzordana Graiceviciute aus dem Team der WeiberWirtschaft.

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